
Wenn sich Technologien gegenseitig nicht mögen, wo man es nicht vermutet
USB3-Festplatte stört WLAN im 2,4 Ghz-Bereich
Es ist immer wieder erstaunlich, was es für interessante Zusammenhänge bei den unterschiedlichen Technologien gibt und Lösungen sich dort verstecken, wo man diese erst gar nicht vermutet.
Szenario
Ich habe eine USB3-Festplatte an meiner FritzBox angeschlossen und diese über die FritzBox als NAS im Netzwerk freigegeben.
Das funktionierte alles einwandfrei, bis eines Tages mein Repeater der Fa. AVM seinen Geist aufgab und den Dienst verweigerte. Es gab permanent Authentifizierungsfehler, aufgetreten ist der Fehler natürlich pünktlich zum Silvesterabend, ohne Zugriff auf die Festplatte.
Ich habe daraufhin einen Repeater von TP Link installiert, und an diesem hängt mit einem LAN-Kabel auch der Fernseher, welcher mittels DLNA auf das NAS zugreift. Doch es gab auf einmal reproduzierbar Startschwierigkeiten, wenn man mal einen Film ansehen wollte.
Der Film startete und blieb dann plötzlich hängen und funktionierte dann wieder nach ein paar Minuten.
Dann habe ich im Log der FritzBox entdeckt, dass es aufgrund Radarerkennung zu Kanalsprüngen gekommen ist.
Daraufhin hatte ich vermutet, dass dies die Ursache für die Startschwierigkeiten war und habe daher das 5-Ghz-WLAN (WLAN 5) deaktiviert und nur das 2,4-GHz-WLAN (WLAN 4) betrieben. Nun gab es keine Kanalsprünge mehr, das WLAN lief einwandfrei (was technisch natürlich logisch zu begründen ist).
Dann wollte ich einige Tage später über meinen Laptop auf das NAS zugreifen und stellte fest, dass es beim Zugriff auf die Festplatte plötzlich zu erheblichen Störungen im WLAN kommt; die Verbindung brach ab und kam zu permanenten Versuchen, die Verbindung wieder herzustellen.
Dann habe ich die FritzBox und meinen Laptop neu gestartet, weil ich dort die Ursache vermutete (was ja manchmal in der Vergangenheit Wunder bewirkte).
Und ich fühlte mich auch anfangs tatsächlich in meiner Annahme bestätigt, denn das WLAN hat wieder ohne Probleme funktioniert.
Doch dann war auf einmal die Festplatte nicht mehr in der FritzBox eingebunden, was dazu führte, dass ich die Festplatte ab- und wieder angesteckt habe.
Jetzt zeigte sich jedoch wieder der Fehler im WLAN, abermals konnten keine Verbindungen aufgebaut werden (von keinem Gerät).
Ein Blick in die Funkkanal-Belegung der FritzBox zeigte, dass 100% Störsignale im 2,4 GHz-Band vorhanden sind:

Ich startete abermals die FritzBox neu, da ich einen Softwarefehler vermutete. Nun waren die Signale wieder ganz normal, das WLAN funktionierte wieder. Doch irgendwas stimmte noch nicht, irgendwas fühlte sich nicht richtig an.
Dann habe ich nochmal gründlich überlegt und beim Beobachten des Diagramms für die Funkkanal-Auslastung auf die Festplatte zugegriffen: und siehe da, genau in diesem Augenblick gingen die Störsignale auf 100%.
Es lag also an der Festplatte und am 2,4 GHz-WLAN.
Eine Recherche verblüffte mich umso mehr, denn interessanterweise ist das keine neue Erkenntnis, sondern ist seit Jahren bekannt.
Die Firma Intel hat sogar in einer Veröffentlichung offiziell gegenüber diesem Sachverhalt 2012 Bedenken geäußert:
https://www.intel.de/content/www/de/de/content-details/841692/usb-3-0-radio-frequency-interference-impact-on-2-4-ghz-wireless-devices-white-paper.html
Das Problem mit den drahtlosen Eingabegeräten habe ich nicht, da ich nur kabelgebundene Geräte nutze (und mir dieses Phänomen daher auch dort noch nicht begegnet ist):
https://www.galaxus.de/de/page/wieso-usb-deine-drahtlosen-peripheriegeraete-beeintraechtigen-kann-und-was-du-dagegen-tun-kannst-25908
Auch andere Hersteller kennen die Problematik:
https://www.asus.com/de/support/faq/1004004/
Andere Quellen berichten von diesem Problem:
https://www.elektronik-kompendium.de/sites/com/1310061.htm
Das ist umso erstaunlicher, dass mir das so noch nicht aufgefallen ist.
Und noch mehr erstaunt mich in der Tat, dass ich bislang angenommen habe, dass sich diese Komponenten an sich nicht gegenseitig stören, gibt es doch für jede Technologie eigene Frequenzbandzuteilungen und Vorschriften.
Mittlerweile habe ich nur noch das WLAN 5 aktiviert, jetzt funktioniert wieder alles einwandfrei.