Die verminderte Übertragungsrate in Kombination einer FritzBox mit NAS-Funktionalität und Windows 11
Einleitung
Manchmal ist die Fehlersuche richtig schwierig. Was ich bei diesem Fall gelernt haben: Es sollte nie unterschätzt werden, wie bekannte Eigenschaften von einzelnen technischen Komponenten im Zusammenspiel mit anderen Geräten neue erstaunliche Phänomene und auf den ersten Blick nicht nachvollziehbare Fehler entstehen lassen. Teilweise führt das, wie in der Medizin, dazu, dass anfangs keine Diagnose oder vielleicht sogar eine falsche Diagnose gestellt wird.
Aber lesen Sie selbst, die Konstellation ist schon faszinierend. In meinem Fall war es so, dass das fast zeitgleiche Zusammentreffen der Umstellung auf Windows 11 sowie ein Update auf der FritzBox mich fast komplett in die Irre führten. Aber der Reihe nach.
Szenario
Ich habe an meiner FRITZ!Box 7590 (Baujahr 2019) eine USB3-Festplatte (HDD) angeschlossen und mit der NAS-Funktionalität in mein Netzwerk eingebunden. Es lief alles einwandfrei, das Gigabit-LAN wird zwar nicht voll ausgenutzt, aber mit ca. 35 MB/s konnte ich schon Daten vom NAS kopieren. Das ist für mich voll ausreichend.
Fehler
Dann gab es ein Update, und zwar die mysteriöse Version 8.21 (13.10.2025), welche angeblich nur Telekom-Kunden erhalten haben. Und siehe da: plötzlich liefen die Kopiervorgänge von der als NAS eingebundenen Festplatte an der FritzBox nur noch mit ca. 4 MB/s statt mit vorher ca. 35 MB/s. Na super.

Fehlersuche
Das hat mich im ersten Moment gewundert, denn Updates führen erwartungsgemäß bzw. gewöhnlich dazu, dass die Funktionalitäten der Geräte zuverlässiger und besser funktionieren.
Nach x-maligen Neustarts und Resets habe ich dann eine Anfrage an AVM gerichtet, ob das Problem bekannt sei, was verneint wurde.
Dann habe ich ausgiebig die Festplatte geprüft, auch keine Fehler vorhanden.
Nächster Schritt: Tests mit einem vollkommen anderen System. Also habe ich meinen heißgeliebten Linux-Laptop aufgeklappt (ein X201 von Lenovo aus dem Jahr 2011) und eine größere Datei über das LAN auf die HDD kopiert und musste feststellen, dass der Kopiervorgang vom NAS auf den Laptop mit ca. 29 MB/s lief!
Was war das denn? Das hieß logischerweise: es musste doch an meinem brandneuen Windows 11-Computer (Installation Windows 11 am 4.10.2025) liegen. Das wurmte mich natürlich schon etwas, ist doch mein neuer Computer mit dem i7-12700K-Prozessor von der Prozessorleistung her ca. 18 mal schneller als mein Laptop. Wieder so ein klassisches Windows-Treiber-Thema? Kann mein Computer jetzt nicht mehr zügig Daten über das LAN kopieren?
Nächster Schritt: Danach habe ich vorübergehend ein NAS von Synology in mein LAN eingehangen, welches ich in diesem Moment griffbereit hatte und siehe da: der Kopiervorgang lief einwandfrei mit fast der kompletten Bandbreite von 80-90 MB/s. Also lag es doch wieder an der FritzBox und nicht an meinem Rechner? Ich war in der Tat etwas verwirrt.
Fehleranalyse und Recherche
Eine Recherche über verschiedene englische Fachbegriffe brachte folgende Vermutung ans Tageslicht: es liegt anscheinend am sog. SMB-Signing (SMB-Signierung). Es wird dazu eingesetzt, die Netzwerkübertragung sicherer zu gestalten, es soll beispielsweise den Man-in-the-Middle-Angriff erschweren.
Weitere Hinweise finden sich unter https://learn.microsoft.com/de-de/windows-server/storage/file-server/smb-signing-overview und https://learn.microsoft.com/de-de/windows-server/storage/file-server/smb-signing?tabs=group-policy
Das dabei die Übertragungsgeschwindigkeit verringert werden kann, ist auch Microsoft bekannt, beispielsweise hier beschrieben: https://leam.microsoft.com/de-de/lroubleshoot/windows-server/networking/slow-smb-file-transfer
Auch Heise „warnt“ davor: https://www.heise.de/news/Windows-Admins-aufgepasst-SMB-Dateitransfer-nur-noch-mit-Signatur-9181156.html
Verifikation
In der Tat: eine Deaktivierung des SMB-Signing bei Windows 11 hatte zur Folge, dass die Übertragungsrate wieder auf gewohnte Übertragungsrate von ca. 35 MB/s anstieg, wie zu Windows 10-Zeiten.

Die Aktivierung bzw. Deaktivierung lässt sich über den Editor für lokale Gruppenrichtlinien steuern, navigieren Sie zu:
Computerkonfiguration\WindowsEinstellungen\Sicherheitseinstellungen\Lokale Richtlinien\Sicherheitsoptionen
Dann die Richtline „Microsoft-Netzwerk (Client): Kommunikation digital signieren (immer)“ auswählen, dann zum aktivieren „Aktiviert“ / zum deaktivieren „Deaktiviert“ auswählen, mit OK bestätigen.
Zusammenfassung
Also: wenn Windows 11 das SMB-Signing fordert, dann wird das zwar durch die FritzBox anscheinend verarbeitet, aber dadurch wird die Übertragungsrate verringert. Immerhin ist meine Fritzbox bereits 7 Jahre alt.
Das erklärt auch, warum das mit meinem Linux-Laptop unverändert funktionierte, denn bei dem älteren Parrot-OS ist standardmäßig kein SMB-Signing aktiviert gewesen und beanspruchte daher keine Rechenleistung in der Fritzbox. Gegenbeweis gefällig? Bitteschön, hier ist SMB-Signing unter Linux aktiv, gleiches Ergebnis:

Bei dem Synology NAS ist der Effekt nicht spürbar, da das NAS dem Stand der Technik entspricht (Baujahr 2025) und die Paketverarbeitung anscheinend schneller durchführen kann.
Warum jedoch AVM mir den entscheidenden Hinweis mit dem SMB-Signing zu diesem Zeitpunkt (November 2025) nicht geben konnte, ist mir rätselhaft, denn das bedeutet, dass das Problem bis dato bei sonst niemandem aufgetreten ist. Eigentlich müsste das in der Kombination Computer mit Windows 11 und ältere FritzBox standardmäßig auftreten.
Fazit
Was lernen wir daraus? Es liegt an Windows 11 und an der FritzBox. Jedoch ist kein System allein der Verursacher der Verringerung der Leistung. Die Installation von Windows 11 und das Update der FritzBox lagen nur 9 Tage auseinander. Das machte die Fehlersuche so schwierig, aber auch so spannend.
Ich selbst habe das SMB-Signing aktiviert gelassen. Die Auswirkungen einer Deaktivierung habe ich nicht genauer recherchiert.
Übrigens: auch die mehrfach im Internet erwähnte sog. „Paketbeschleunigung“ bei der FritzBox könne man aktivieren, aber das war bei mir bereits aktiviert.
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